Scheinselbstständigkeit

26 März 2019

Als Freelancer werden «freie Mitarbeiter» bezeichnet, welche unter eigenen Namen auf eigene Rechnung arbeiten und formell selbstständig Erwerbend sind. Das Schweizer Recht kennt den Begriff als Freelancer nicht, sondern unterscheidet zwischen selbstständiger und unselbstständiger Erwerbstätigkeit. Es gilt entweder das Arbeitsrecht (für unselbständig Erwerbende) oder das Auftragsrecht, der Werkvertrag oder der Agenturvertrag (für selbständig Erwerbende). Scheinselbstständigkeit liegt vor, wenn Erwerbstätige formal als selbständig Erwerbende arbeiten, tatsächlich jedoch ein Arbeitsverhältnis vorliegt.

Bei einer unselbständigen Erwerbstätigkeit steht der Arbeitnehmer in einem Anstellungsverhältnis, wobei die Arbeit im Betrieb nach Weisung des Arbeitgebers verrichtet wird. Der Mitarbeitende erhält für seine unselbstständige Tätigkeit einen Lohn. Für die Abrechnungen mit den Sozialversicherungen ist der Arbeitgeber zuständig.

Bei einer selbständigen Erwerbstätigkeit wird eine Person mittels Auftrag zu einer bestimmten Leistung verpflichtet. Sie erhalten anstelle eines Lohnes ein Honorar. Der Auftraggeber ist nicht für die Abrechnungen mit den Sozialversicherungen zuständig, dafür ist die arbeitende Person (Freelancer) selber verantwortlich. Im Falle von Krankheit, Unfall oder Mutterschaft ist keine Lohnfortzahlung geschuldet. Es gilt kein Arbeitsvertrag und es sind keine arbeitsvertraglichen Kündigungsfristen zu beachten.

Es ist in der Verantwortung der Arbeit- oder Auftraggeber zu prüfen, ob eine selbständige Erwerbstätigkeit vorliegt oder nicht. Die Parteien können das nicht frei und willkürlich vereinbaren. Ob es sich tatsächlich um eine selbständige Erwerbstätigkeit handelt, entscheidet die AHV im Einzelfall. Als sozialversicherungsrechtlich selbstständig Erwerbend gelten Personen, die unter eigenen Namen für eine Vielzahl von Auftraggebern und auf eigene Rechnung arbeiten sowie in unabhängiger Stellung sind und ihr eigenes wirtschaftliches Risiko tragen.

Vor jeder Auftrags- resp. Arbeitsvergabe ist zu klären, ob es sich um ein Arbeitsverhältnis oder Auftragsverhältnis handelt. Hierzu ist von den beschäftigten Freelancern ein schriftlicher Nachweis zu verlangen, dass der Auftragnehmende bei der AHV-Ausgleichskasse als selbständig Erwerbender anerkannt ist. Unechte Selbständigkeit oder Scheinselbstständigkeit sind ein oft unterschätztes Risiko für Unternehmen. Entdeckte Verstösse gegen das Arbeits- und Sozialversicherungsrecht werden regelmässig dem Arbeitgeber zugerechnet. In einem solchen Fall muss der Arbeitgeber die fehlenden Sozialversicherungsbeiträge der letzten fünf Jahre nachzahlen.

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