Unbezahlter Urlaub: Sozialversicherungen

08 November 2017

Teil 1: Unbezahlter Urlaub: Administrativ

Bei einem Unbezahlten Urlaub sind im Bereich der Sozialversicherungen einige Besonderheiten zu berücksichtigen.
 

AHV/IV/EO

Abhängig von der Dauer des unbezahlten Urlaubs kann eine Beitragslücke entstehen, sofern der Ehegatte nicht Beiträge von mindestens der doppelten Höhe des Mindestbeitrages bezahlt hat. Eine Beitragslücke lässt sich durch die Bezahlung des Mindestbeitrags für Nichterwerbstätige (CHF 478.00/Jahr, Stand 2017) vermeiden, was unbedingt zu empfehlen ist.


ALV

Dauert der unbezahlte Urlaub länger als 12 Monate, ist die Beitragszeit während der zweijährigen Rahmenfrist nicht mehr gewahrt. Dies ist allenfalls bereits früher der Fall, wenn die Beitragspflicht in den 12 Monaten vor Antritt des unbezahlten Urlaubs nicht erfüllt wurde. Dadurch entfällt der Taggeldanspruch. Dies gilt nicht für Fälle, in denen eine (teilweise) Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit besteht, so z.B. bei Schulausbildung, Umschulung, Weiterbildung, Krankheit, Unfall, Mutterschaft oder Aufenthalt in einer schweizerischen Haft- oder Arbeitserziehungsanstalt.


Unfallversicherung

Der Schutz der obligatorischen beruflichen Unfallversicherung erlischt 31 Tage nach dem letzten Lohnanspruch. Es besteht jedoch die Möglichkeit mit dem Unfallversicherer des Arbeitgebers eine Abredeversicherung abzuschliessen. Damit kann der Versicherungsschutz bis maximal sechs Monate verlängert werden. Für einen Versicherungsschutz darüber hinaus, kann der Arbeitnehmer eine (freiwillige) Einzelunfallversicherung abschliessen. Gewisse Versicherer (insbesondere auch die SUVA) sind jedoch kulant und bezahlen das Taggeld auch während der Dauer des unbezahlten Urlaubs, sofern der Unfall den Zweck des Urlaubs vereitelt hat. Massgebend für das Taggeld ist der letzte vor dem Unfall bezogene Lohn. Bei unregelmässiger Erwerbstätigkeit wird auf einen angemessenen Durchschnittslohn abgestellt. Für eine notwendige Heilbehandlung im Ausland wird dem Versicherten höchstens der doppelte Betrag der Kosten vergütet, die bei der Behandlung in der Schweiz entstanden wären.
 

Krankentaggeldversicherung

Wie bereits ausgeführt, entfällt der Anspruch auf Lohnfortzahlung für die Dauer des unbezahlten Urlaubs. Dies gilt auch für ein allfälliges Krankentaggeld. Es ist daher gegebenenfalls ratsam, eine Einzelkrankentaggeldversicherung für die Dauer des unbezahlten Urlaubs abzuschliessen.
 

Familienzulagen

Die Familienzulagen werden nach Antritt eines unbezahlten Urlaubs noch während des laufenden Monats und der drei darauffolgenden Monate ausgerichtet, sofern der Jahreslohn noch mindestens CHF 7'050.00 beträgt und die Arbeit nach dem unbezahlten Urlaub wieder beim gleichen Arbeitgeber aufgenommen wird.


Berufliche Vorsorge

Die Versicherungspflicht endet u.a., wenn der Mindestlohn unterschritten wird. Der Mindestjahreslohn beträgt CHF 21'150.00 (Stand 2017). Wenn also der Mindestjahreslohn tiefer als CHF 21'150.00 ist, entfällt die Versicherungspflicht. Falls der Mindestlohn nicht unterschritten wird, ist mit dem Mitarbeiter die weitere Finanzierung zu besprechen. Es gibt folgende Varianten: Sparen und Risiko 100% zu Lasten des Mitarbeiters, Sparen und Risiko 50%/50% (wie anhin), nur Risiko 100% Mitarbeiter, weder Risiko noch Sparen während des unbez. Urlaubes. Es ist zu empfhelen, dass mindestens das Risiko versichert wird.
 

Zusammenfassung:

  • UVG: Evtl. Abredeversicherung abschliessen
  • KTGV: Evtl. Einzelversicherung abschliessen
  • AHV: Sicherstellen, dass Mindestbeitrag entrichtet wird
  • ALV: Bei unbezahltem Urlaub von mehr als 12 Monaten entfällt der Arbeitslosentaggeldanspruch bis die Beitragszeit während der Rahmenfrist wieder erfüllt ist
  • Berufliche Vorsorge: Mit der Vorsorgeeinrichtung die Folgen klären
  • FamZG: Nach Erlöschen des Anspruchs allenfalls neue Familienzulagenanmeldung durch den anderen Elternteil
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