Geschichtliches zum Eigenmietwert

08 November 2017

Der Eigenmietwert ist wohl eine der letzten Ungerechtigkeiten im Steuerrecht. Gemäss Art. 21 Abs. 1 Bst. B DBG sowie Art. 7 Abs. 1 StHG werden selbstgenutzte Immobilien nicht nur durch die Vermögenssteuer belastet, sondern müssen durch die Eigentümer auch als fiktives Einkommen versteuert werden. Der Eigenmietwert wird je nach Kanton aufgrund verschiedener Faktoren wie Liegenschaftswert, Marktwert o.ä. berechnet und kann viele Haushalte übermässig belasten.

Diese in Europa einzigartige Steuerlast sorgt dafür, dass Wohneigentümer im Vergleich zu Mietern in den gleichen wirtschaftlichen Verhältnissen oftmals schlechter gestellt werden. Dies schafft eine grosse Ungerechtigkeit. Zwar kann die Steuerbelastung durch die Möglichkeit u.a. des Schuldabzugs etwas gemildert werden. Zu bedenken ist aber, dass dieser Schuldzinsabzug allen Steuerpflichtigen offensteht. Während die Mietzinsen in bestehenden Mietverhältnissen tendenziell gefallen sind, werden die Eigenmietwerte von Eigentümern kontinuierlich angehoben. Der guten Ordnung halber sei erwähnt, dass auch Unterhalts-, Verwaltungs- und Versicherungskosten der Liegenschaft steuerlich geltend gemacht werden können.

Warum ist dieses Konstrukt überhaupt entstanden?

Vor über 100 Jahren sank der Zollertrag des Bundes infolge des Ersten Weltkrieges – bis dahin eine seiner wichtigsten Einnahmequellen – um die Hälfte, und es mussten neue Einnahmenquellen erschlossen werden. Im Jahr 1915, also vor genau 102 Jahren, stimmte das männliche Stimmvolk und die Stände mit grossem Mehr einer einmaligen eidgenössischen Kriegssteuer zu. Wie uns die Geschichte lehrte, ist leider wie so oft das Einmalige nicht einmalig und so wurde unter verschiedenen Titeln in den letzten 102 Jahren an dieser Steuer festgehalten.

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