Hans Rudolf Haefeli. Ein Unternehmerportrait zum 30-jährigen Jubiläum der reoplan treuhand ag.

04 September 2017

„Zahlen sind mein Leben“

Hans Rudolf Haefeli. Ein Unternehmerportrait.

Stillsitzen ist nicht so sein Ding. Die Hände in den Schoss zu legen, auch nicht. Hans Rudolf Haefeli ist immer in Bewegung. Das war schon immer so. Vor allem war es einer der Gründe, weshalb er sich selbständig gemacht hat: „Ich war damals die Nr. 2 in der Geschäftsführung eines Unternehmens mit rund 100 Mitarbeitern, das innerhalb von 12 Monaten zwei Mal verkauft wurde, zwei Mal mussten wir vor neuen Eigentümern bestehen. Diese Abhängigkeit, dieses Fremdbestimmtsein, das wollte ich mir nicht länger antun. Und vor allem wollte ich nicht darüber nachdenken, wie es mir und meinem Job ergangen wäre, wäre ich damals 20 Jahre älter gewesen. Ich wollte das Zepter in der Hand haben, meinen Lebensweg selbst steuern“.

Begeisternd, glaubwürdig, sympathisch

Am 1. September 2017 wird gefeiert. 30 Jahre ist es her, dass Firmengründer Hans Rudolf Haefeli den Grundstein für die reoplan Unternehmensgruppe legte und die reoplan treuhand ag in Bern ins Leben rief, deren Namen für „Reorganisation und Planung“ steht. Je komplexer die Aufgabenstellung, desto besser. Warum ist das so, warum hat er sich gerade diesen Beruf ausgesucht? Der Mann, der in seinem Leben keine einzige Bewerbung geschrieben hat, sondern dem die Stellen immer angeboten wurden, muss nicht lange überlegen: „Zahlen sind mein Leben“. Er sagt diesen Satz mit Bedacht, und doch sprudelt es geradezu aus ihm heraus, mit spürbarer Begeisterung: „Mein Berufsbild hat sich quasi von ganz allein aufgedrängt. Ich sehe sofort und überall, was Zahlen bedeuten, diese Gabe hatte ich schon als Kind. Zahlen sind für mich wie ein Text, den ich lese. In Bilanzen und Erfolgsrechnungen erkenne ich auf der Stelle, wie es einem Unternehmen wirklich geht, und wo oder ob etwas geschönt wurde. Auch in Zeitungsberichten sehe ich, ob Zahlen stimmig sind oder eben nicht. Bei Zahlen macht mir niemand etwas vor“. Er spricht mit Nachdruck und aus dem Herzen, äusserst glaubwürdig und sympathisch kommt er rüber, seinen Gesprächspartner nimmt er sofort für sich ein.

Reizvolle Aufgaben

Das Interessanteste an seinem Beruf, so Haefeli, seien aber nicht die nackten Zahlen, es seien vielmehr die Fragen und die Aufgabenstellungen, die dahinterstehen. Eine Steuerproblematik beispielsweise komme ja daher, weil irgendwer etwas getan habe, was nicht mehr rückgängig zu machen sei: „Dann geht es darum, nach Argumenten zu suchen, nach Darstellungsmöglichkeiten, nach Auswegen. Genau das reizt mich, genau das macht meinen Job so attraktiv. Es sind die interessanten und hochkomplexen Fragestellungen, die sich ergeben, und es ist sehr spannend, diese Sachverhalte zu erarbeiten und gemeinsam mit dem Kunden zu erörtern“.

Umsichtiges Wachstum

Gestartet ist er in seinem Unternehmen als Einzelkämpfer, der Standort Bern war eher pragmatisch gewählt: „Ich hatte eine Frau, kleine Kinder und ein Haus, und da ich schon damals sehr viel gearbeitet habe, wollte ich wenigstens nah bei meiner Familie sein“, erläutert Haefeli die Standortwahl. Nach zwei Jahren kam die erste Mitarbeiterin dazu, weitere zwei Jahre später nochmals zwei, kurz darauf erneut einer, bis sie 1999 in Bern insgesamt zu sechst waren. Aus heutiger Sicht und rückblickend betrachtet hätte man das Unternehmenswachstum vielleicht etwas schneller gestalten können, aber: „Ich wollte keine roten Zahlen schreiben und nicht über meine Verhältnisse leben. Ich wollte zu jedem Zeitpunkt sicher sein, meinen Kunden eine vernünftige und solide Plattform und gewissermassen einen sicheren Rückzugsort für ihre Themenstellungen zu bieten“.

Im gleichen Jahr, also 1999, wurde das erste Büro in Thun eröffnet, das zweite kam kurz darauf durch einen Zukauf hinzu. 2004 war die Geburtsstunde des Büros in Tschechien - „vielleicht etwas früh“, wie Haefeli heute sagt. Die ersten Schritte dort waren durchaus etwas mühsam, und irgendwie seien sie ihrer Zeit damals voraus gewesen, aber: „Schlussendlich hat die Eröffnung gerade dieses Büros unsere Innovationsdenke offenbart, und dafür haben wir von unseren Kunden dann auch sehr viel Ansehen und Anerkennung bekommen“.

In hohem Masse loyal

Nach Tschechien folgte Zürich, und so deckt man heute mit insgesamt knapp 40 Mitarbeitern auf der Schweizer Seite die Gebiete von Bern über Thun, Solothurn und Zürich bis zum Berner Oberland ab. Haefelis Verhältnis zu seinen Mitarbeitern ist in hohem Masse loyal, eng, zumeist sehr langlebig. Das wird zum Beispiel daran deutlich, dass „der Mann der ersten Thuner Stunde“, Marc Zahnd, noch heute beide Büros in Thun leitet und inzwischen eine substanzielle Unternehmensbeteiligung hält. Oder daran, dass das Büro in Zürich von Margarita Batcheva geführt wird, die zuvor bereits viele Jahre in dem Büro in Bern tätig war. Oder daran, dass er seinem langjährigen Mitarbeiter Sandro Badertscher inzwischen die Geschäftsführung des Hauptsitzes in Bern übertragen hat.

Ehrlich, aufrichtig, vertrauensvoll

Loyalität ist dem Vollblut-Unternehmer generell äusserst wichtig, und das gilt für all seine Geschäftspartner, egal ob Mitarbeiter, Kunde oder Lieferant: „Wenn wir uns zur Zusammenarbeit entscheiden, dann sind Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Vertrauen oberstes Gebot, ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis ist für mich die Grundlage zur Zusammenarbeit. Das hat sehr viel mit Respekt zu tun. Wenn diese Grundlage nicht gegeben ist, oder - noch schlimmer - wenn Vertrauen einmal missbraucht wurde, dann gibt es bei mir keine zweite Chance“. Was das angeht, ist er knallhart - und er steht auch dazu. So, wie andere sich auf ihn verlassen können, muss er sich auf sein Gegenüber verlassen können. Ist das nicht gegeben, ist jegliche Art von Miteinander in seinen Augen Zeitverschwendung. „Diese Erfahrung habe ich Gott sei Dank nur ganz selten in meinem Leben machen müssen, die schönen Momente und ein aufrichtiger Umgang überwiegen bei Weitem“.

Menschenkenntnis und Fingerspitzengefühl

Wie wichtig ein ehrliches Miteinander gerade in seinem Beruf ist, offenbart sich zum Beispiel dann, wenn es darum geht, für ein Unternehmen einen geeigneten Nachfolger zu finden - eine Aufgabe, die er in seiner Laufbahn bislang weit mehr als 30 Mal erfolgreich erfüllt hat und darüber hinaus ein schönes Beispiel dafür, dass er als Treuhänder immer schon deutlich breiter aufgestellt sein wollte, als sich nur um buchhalterische oder steuerlich relevante Themen zu kümmern. „Die Nachfolgeplanung zählt mit zu den anspruchsvollsten Aufgaben, die es in unserem Beruf gibt, denn neben grossem Fachwissen sind hier vor allem Menschenkenntnis und Fingerspitzengefühl gefragt. Auf die Kombination kommt es an. Natürlich müssen die rechtlichen, steuerlichen und finanziellen Aspekte gründlichst durchleuchtet werden, aber es gibt auch noch eine menschliche Seite, und die hat natürlich auch einen sehr hohen Stellenwert. Hier geht es vor allem darum, ob die Chemie zwischen Käufer und Verkäufer stimmt, wie sich beide begegnen, unter welchen Bedingungen ein Unternehmer sein Baby, nämlich sein Unternehmen, in die Hände eines womöglich wildfremden Menschen legt und wie er schlussendlich loslassen kann. Mein Kunde muss sich in jeder Hinsicht auf mich verlassen können“. Er sei derjenige, so Haefeli, der eine Empfehlung zum Verkauf oder Nicht-Verkauf ausspreche, und bei allem Respekt vor allen möglichen Emotionen müsse er darauf achten, dass ein Unternehmensverkauf Sinn mache: „Mein Kunde verlangt eine objektive und grundehrliche Einschätzung der Situation. Er hat ein Anrecht darauf und muss sich darauf verlassen können, dass ich wirklich alle Seiten und Eventualitäten anschaue und beurteile, bevor ich eine Empfehlung ausspreche, die weitreichende Auswirkungen auf sein gesamtes Leben hat“. Dass Haefeli seinen Beruf, der vielmehr Berufung ist, zu 1000 Prozent lebt, daran besteht kein Zweifel.

Ein klein wenig stolz

Würde er alles noch einmal genau so machen, wenn er auf 30 Jahre reoplan zurückblickt? „Nicht in allen Einzelheiten, das glaube ich nicht - aber ich würde nichts grundlegend anders machen. Vielleicht hätten wir etwas zügiger wachsen sollen - aber im Grunde haben wir stets die richtigen Entscheidungen getroffen“. Dass sie heute dort stehen, wo sie sind, habe er vor allem seiner Klientel zu verdanken: „reoplan hat nur den Rahmen gesteckt, das Herzstück waren immer die Kunden und ihre facettenreichen Aufgabenstellungen. Ihnen bin ich zutiefst verpflichtet, ihnen haben wir es zu verdanken, dass wir heute mit zu den grössten Treuhand-Unternehmen in der Schweiz zählen. Nur rund 2,5% aller Schweizer Treuhänder haben diese Firmengrösse, darauf bin ich schon ein klein wenig stolz“. Die Entwicklung seines Unternehmens über die letzten 30 Jahre wisse er in höchstem Masse zu schätzen, und ja, sie habe ihn auch glücklich gemacht.

Der Mann, der nicht stillsitzen kann

Und noch jemandem, ausser den Kunden, hat die reoplan-Gruppe ihre Entwicklung zu verdanken: dem Mann, der nicht stillsitzen kann (8 Verwaltungsratsmandate und ein Stiftungsratsmandat neben seiner Treuhänder-Tätigkeit sind ein weiterer Beweis), und der trotzdem eine grosse innere Ruhe ausstrahlt - ihrem Gründer. Ein Mann, der es versteht, sein Gegenüber in seinen Bann zu ziehen. Eine Persönlichkeit. Ein Mann mit Ecken und Kanten, immer gerade heraus, konsequent, manchmal unbequem, seiner Linie treu bleibend. Einer, der seine Worte mit Bedacht wählt. Der nie Everybody’s Darling sein wollte, sondern der für seine Überzeugung einsteht und für seine Ziele kämpft. Einer, der unglaublich gut vernetzt ist und der sich glücklich schätzt, langjährige Weggefährten an seiner Seite zu haben. Der weiss, dass sich Erfolg niemals von alleine einstellt und dass Zufriedenheit wertvoll und kein selbstverständliches Gut ist. Einer, der erfahren hat, wie kostbar Glück ist. Dem das Leben Ehrfurcht gelehrt hat und Dankbarkeit. Und der bei allem Erfolg eines nie verlernt hat: Bescheidenheit.